Eine
Schiffahrt mit GeschichteDie 4-Seen-Inselrundfahrt
Als Inselstadt ist Ratzeburg von Natur aus nur von Wasser umgeben. Das war im Mittelalter für den Schutz vor Feinden ein natürlicher Vorteil. Später allerdings war der Handel mit Nachbarn und benachbarten Orten und Regionen mindestens genauso wichtig wie der Schutz vor Feinden.
Das führte zwangsläufig dazu, daß die Stadt mit dem Festland verbunden werden musste. Zunächst entstand im Westen der „Lüneburger Damm“, um die „Alte Salzstrasse“, ein wichtiger Handelsweg, schneller und problemloser erreichen zu können.
Eine lange Brücke
Im Osten errichtete man eine lange Brücke. (Der Name der „Langenbrücker Strasse“ östlich des Marktplatzes erinnert noch heute daran.) Erfahrungsgemäß werden Holzbrücken beschädigt (Eisgang im Winter, Kriege im Sommer) und so entschloss man sich im Jahre 1842, hier einen Damm zu schütten.
Die
Fertigstellung war dann im Jahre 1847. Seinen Namen „Königsdamm“
erhielt dieser Damm dann aber erst im Jahre 1854 in Anwesenheit des Dänenkönigs
Friedrich VII. bei einem Besuch in Ratzeburg. Damals war das Herzogtum Lauenburg
nämlich noch Teil des dänischen Königsreichs. Klugerweise ließ
man seinerzeit für die Boote auf dem Ratzeburger See eine Durchfahrt an
der Stelle, wo früher „Palisaden“ die Stadt schützten.
(Deshalb heißt der Weg am Westufer des kleinen Küchensees auch heute
noch „Palisadenweg“.)
Nochmals
ca. 50 Jahre später, im Jahre 1894 entschloss man sich, eine Verbindung
vom Bahnhof im Westen der Stadt über die Insel zum östlichen Ufer
des Sees zu bauen, um Reisenden die Erreichbarkeit des im Westen der Stadt liegenden
Bahnhofes auf dem St. Georgsberg zu erleichtern, aber auch um Waren zu transportieren.
Es wurde eine neue Bahnlinie, die „Kleinbahn“gebaut. (Den Stadtbahnhof
dieser Kleinbahn sieht man heute noch an unserer Anlegestelle im „Kurpark“.)
Gewaltiger Kraftaufwand
Mit einem gewaltigen Kraftaufwand musste der „Kleinbahndamm“ errichtet werden. In 1,5 jähriger Bauzeit wurden die benötigten 500 Meter Damm bei einer Wassertiefe von ca. 16 Metern mühsam geschüttet. Zum Verständnis: Um ca. 5 Meter des Dammes zu bauen, benötigte man 30.000 cbm Boden. Das entsprach etwa 600 Lorenzügen, die aus jeweils 23 Loren bestanden. Ein solcher Lorenzug brachte etwa 50 cbm Boden.
Bei
500 Metern Dammlänge kann man sich ja vorstellen, welch ein Verkehr an
Lorenzügen hier damals herrschte (und man stelle sich vor, ein solches
Projekt heute im Naturschutzgebiet zu bauen. Höchstens technisch wäre
das heute wohl einfacher). Aber auch beim Bau dieses Dammes dachte man an die
Boote und Schiffe auf dem See und so haben wir die Möglichkeit, unter beiden
Dämmen hindurch zu fahren, auch wenn die Durchfahrten sehr eng sind.
Der Ratzeburger "Spucknapf"
Durch den Bau dieser beiden östlichen Dämme entstanden der „Kleine“ Küchensee (wegen seiner nur sehr begrenzten Ausmaße nennt man ihn in Ratzeburg auch „Spucknapf“) und der „große“ Küchensee, der später dann nach den Erfolgen des „Ratzeburger Goldachters“ zu großer Berühmtheit gelangen sollte.
Hier finden die jährlichen großen internationalen Ruderregatten statt. Mit dem neuen Fahrgastschiff, das an die engen Verhältnisse der damaligen Zeit mit viel Aufwand angepasst wurde, können wir nun die Küchenseen südlich der eigentlichen Insel Ratzeburg nach über 30-jähriger „Abstinenz“ wieder befahren und uns an der herrlichen und intakten Natur erfreuen.